Städtebau : Grundsatz Innen- und Außenentwicklung

Ausbildungsinhalte für eine zukünftige Arbeit an Baudenkmalen müssen sich an den Zielen der Denkmalpflege orientieren. Den Architekten kommen bei erhaltener Erneuerung große Einflussmöglichkeiten zu. Das gilt für das Einwirken auf den Bauherrn, das gilt für Planung und Durchführung der Baumaßnahmen.

Städtebau : Grundsatz Innen- und Außenentwicklung

Denkmalpflege und Architektur

Heute Visionen verwirklichen, die zur Geschichte der Baukunst aktiv beitragen – Seminarveranstaltung für die Aufgaben der Denkmalpflege – von Eric Mozanowski

Die Fürsorgepflicht um die anvertrauten Werke von geschichtlicher und künstlerischer Bedeutung verbindet die Beteiligten aus Bereichen Architektur, Bau, Immobilien und der Denkmalpflege. Befürworter und Unterstützer Eric Mozanowski, Immobilienexperte aus Stuttgart begrüßt die Tatsache, dass im Interesse der Gemeinschaft zum besseren Verständnis der Denkmalschutz in die neue Zeit eingebunden werden muss. Regelmäßige Veranstaltungen und Veröffentlichungen dienen dem Ziel, dass durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch und aktiver Diskussion eine bessere und erfolgreiche Verständigung untereinander gelingt. Unterstützung durch eingeladene Referenten und Experten des Denkmalschutzes.

Aus- und Fortbildung für Aufgaben der Denkmalpflege

Ausbildungsinhalte für eine zukünftige Arbeit an Baudenkmalen müssen sich an den Zielen der Denkmalpflege orientieren. Zu diesen Zielen haben sich Denkmalpfleger unter anderem auf Tagungen des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz von 1982 bis 1986 mit einer ganz bestimmten Ausrichtung geäußert. Resümee war die allgemeine Feststellung eines tausendfältigen Denkmalverlustes, der für die letzten Jahre trotz oder aufgrund denkmalpflegerischer Maßnahmen festgestellt werden musste. Zugleich wurde immer wieder die Notwendigkeit eines Wandels beschworen. Zurückgeführt wurde dieser Verlust auf eine Missachtung der authentischen Materie der Denkmale und dabei den Architekten ganz allgemein ein großes Maß an Schuld zugesprochen. Es wurde herausgestellt, dass Grundlage des Denkmalbegriffs trotz gewisser Unterschiede in den Denkmalschutzgesetzen der einzelnen Bundesländer die Definition des Kulturdenkmals als Geschichtszeugnis ist.

Wie sieht die Praxis der Denkmalpflege aus?

Neue Zeiten brächten dementsprechend neue Interpretationen. Wenn sich diese nicht auf Originalsubstanz stützen könnten, wären sie nichts anderes als eine Botschaft der Restaurierungsphase. Damit ist zugleich und erneut die Frage gestellt, welcher Denkmalwert der bloßen Form eines Denkmals beizumessen und wie formaler Ersatz, das heißt eine Rekonstruktion im Sinne seiner Nachbildung, zu werten ist. Inwieweit ist der Architekt in sie einbezogen? Welche Lehren ergeben sich daraus für die zukünftige Ausbildung der Architekten?

Diese Fragen erläutert der Experte nachfolgend in zwei Beispielgruppen, welche zwei grundsätzliche Methoden der Denkmalpflege entsprechen, unterschieden werden: an erhaltener Erneuerung von historischen Wohnbauten, an Ersatz von Bauten und Bauteilen mit Denkmalcharakter durch Neubausubstanz.

Erhaltene Erneuerung

Dieser Begriff trug um 1970 die ganze Hoffnung derjenigen Denkmalpfleger, welche eine Ausweitung des Denkmalschutzes auf die baulichen Reste aller Schichten erstrebten. Sie sahen, vereinfacht ausgedrückt, die Vergangenheit einer Stadt nicht allein durch Burg, Kirchen, Rathaus, Stadtpalais etc. verkörpert, sondern maßen den Wohn- und Arbeitsquartieren der kleinen Leute einen entsprechenden kulturhistorischen Aussagewert zu. Diese Objektgruppen wollte man gleichfalls mit Sorgfalt behandelt sehen. Es war eine Anknüpfung an Bewegungen, die zum Teil bereits vor den Kriegen bestanden hatten. Vor allem aber war es eine Reaktion auf die erste Phase des Wiederaufbaues nach dem Zweiten Weltkrieg, bei dem, von Ausnahmen abgesehen, vor allem die klassischen Denkmale herauspräpariert, das Übrige aber einem Städtebau mit Totalsanierungen und autogerechten Verkehrsplanungen preisgegeben wurde. Der Umschwung und seine Auswirkungen sind bekannt: Heute besitzen alle Gemeinden Objekte und Quartiere, über welche Sanierungen im Sinne erhaltener Erneuerungen hinweggegangen sind, und die Denkmalpfleger klagen erneut.

Den Architekten kommen bei erhaltener Erneuerung große Einflussmöglichkeiten zu. Das gilt für das Einwirken auf den Bauherrn, das gilt für Planung und Durchführung der Baumaßnahmen. Das eine betrifft das Selbstverständnis der Architekten, das andere sein fachliches Können. Beides ist durch entsprechende Ausbildung zu beeinflussen. Somit darf nicht vernachlässigt werden: Einführung in die Ziele, Probleme und Methoden der Denkmalpflege, Konfrontation mit einem historischen Bau in Form einer Bauaufnahme, verbunden mit einer baugeschichtlichen Einordnung des Typus und den Versuch einer Bauanalyse, und ferner mindestens einmal eine Übung, einen Entwurf, indem Kreativität nicht nur, wie üblich in der Auseinandersetzung mit einem Nutzungsprogramm gefordert ist, sondern wo als wichtigste Bindung die Bewahrung des Bestandes auferlegt wird. Es bleiben die Forderungen nach einer baugeschichtlichen Basis und Kenntnis der Haustypologie, ebenso wie die nach Beherrschung von Baukonstruktionen, Bauphysik, technischem Ausbau etc. Diese Voraussetzungen sollten für alle gelten, die einen Studiengang der Architektur durchlaufen. Dieses ist zum heutigen Zeitpunkt leider noch nicht an allen Technischen Universitäten und Fachhochschulen gegeben.

Weitere Punkte wurden rege diskutiert und an Beispielen erläutert. Eric Mozanowski berichtete über ein neues Projekt in Stuttgart und möchte damit auf die Verantwortung und die Sichtweise für Zukunftsvisionen aufmerksam machen.

Das dritthöchste Wohngebäude Deutschlands soll im Stuttgarter Speckgürtel, Ortsrand von Fellbach entstehen. Auf einem Brachgelände, der als Schandfleck galt. Nach vergeblichen Versuchen diesen von Seiten der Stadtverwaltung  zu beseitigen, entsteht nun ein Bauvorhaben, mit Wachstum, Entwicklung und Verwirklichung durch einen Investor.  Die entwickelten Ideen für ein außergewöhnliches Projekt in die Tat umzusetzen fordert neben dem Investor, die Bürger, Gesellschaft, Politik, Architekten, Projektentwickler bis hin zum Handwerker gemeinschaftlich diese Vision zu tragen.  Eine Bandbreite an Diskussionen geht mit diesem Projekt einher, wie z. B. durch die Anwohner mit der gegründeten Bürgerinitiative „Fellbach ist nicht Manhattan“. Die Stadtverwaltung bewertet das Bauvorhaben positiv, da es einen städtebaulichen Reiz besitzt und den Grundsatz Innen- vor Außenentwicklung beherzigt. Im April dieses Jahres soll der Bau beginnen. Fünfzig Prozent der Wohnungen seien schon verkauft, hauptsächlich von Topverdienern  womit das 57 Millionen Projekt zum Teil finanziert wird. Eric Mozanowski gibt zu bedenken, dass dieses Vorhaben vor allem fordert offen für Neues zu sein! Für viele Generationen später stellt dies vielleicht auch eine geschichtliche und künstlerische Bedeutung dar.

V.i.S.d.P.:

Eric Mozanowski
Der Verfasser ist für den Inhalt verantwortlich

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