Deutschland im Wandel: Mangel an Wohnungen und Wohnraum

Deutschland und Europa wachsen, Wohnraum ist gefragt, besonders in Ballungsgebieten und Metropolen. Wie der Wohnraumknappheit langfristig entgegen wirken? Diskussionsbeitrag von Eric Mozanowski, Immobilienexperte aus Stuttgart.

Landeshauptstadt Baden Württemberg: Stuttgart – Wirtschaftsmotor – Die Zukunft der Wirtschaftskraft – von Eric Mozanowski, Immobilienkaufmann und Autor aus Stuttgart, Baden-Württemberg

Landeshauptstadt Baden Württemberg: Stuttgart – Wirtschaftsmotor – Die Zukunft der Wirtschaftskraft – von Eric Mozanowski, Immobilienkaufmann und Autor aus Stuttgart, Baden-Württemberg

Baden Württemberg mit der Landeshauptstadt Stuttgart gilt als eines der bundesdeutschen Wirtschaftszentren. „Das „Schaffe schaffe, Häusle baue“ zählt zu den Erfolgsgeschichten – der typische Spruch, der beinahe jedem über die Lippen geht, der an Schwaben aus Baden Württemberg denkt. Im sprichwörtlichem „Ländle“ gibt es nicht nur die meisten Bausparkassen, sondern auch die meisten Bausparer. „Schaffe, schaffe, Häusle baue. Und net nach de Mädle schaue. Und wenn unser Häusle steht, dann gibts noch lang kei Ruh…“ bis heute zählt dies zur Lebensphilosophie. Einst als arme Region bekannt eigneten sich die Menschen zwangsweise einen sehr vorsichtigen Umgang mit den knappen Ressourcen an. Der Erfindungsgeist verhalf zu Erfindungsreichtum, womit sich die Schwaben einen Namen gemacht haben. Nach dem Motto wer nicht viel hat, muss eben schauen, was er aus dem Wenigen machen kann“, begrüßt der Stuttgarter Immobilienexperte und Autor Eric Mozanowski die zahlreichen Teilnehmer.

Wohnraumnot mach erfinderisch – die große Landflucht in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Mangelnder Wohnraum besonders in Ballungsgebieten und Metropolen wie beispielsweise in München, Ingolstadt, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Berlin, Dresden, Leipzig und Hamburg sind nicht nur heute sondern auch die Zukunftsthemen. Eric Mozanowski zur Diskussion: „Welche Wohnraumlösungen bieten Schutz, Finanzierbarkeit und Qualität ohne der Gefahr der Ghettobildung und Behelfsbauten? Schaffung von qualifiziertem Wohnraum auf Langfristigkeit ist das Ziel, gibt die Vergangenheit Antworten?“ Erinnern möchte der erfahrene Immobilien- und Denkmalschutzexperte aus Stuttgart daran, dass zwischen 1860 und1890 Berlin sich von der Bevölkerungszahl in dem kurzen Zeitraum von dreißig Jahren verdreifacht hatte. „Zu damaligen Zeiten konnte von einer dramatischen Entwicklung für die Stadtplaner und Verantwortlichen gesprochen werden, dies ist in Vergessenheit geraten“, so der Denkmalexperte aus Stuttgart. Vor welch großen Herausforderungen die Verantwortlichen damals gestanden haben, kann heute nur spekuliert werden. Berlin wuchs unvorstellbar, Dörfer wie Wilmersdorf oder der damalige Reitweg Kurfürstenstamm wie auch der Prenzlauer Berg und Friedrichshain wurden nach und nach eng bebaut, es entstand dichte Mietshausbebauung. Die Rahmendaten zur Bebauung lieferte der sogenannte „Hobrecht-Plan“, keine Gestaltungswettbewerbe, Bürgerbeteiligungen, Workshops und ohne Architekten. Heute noch ist das am wenigsten kriegszerstörte Viertel Berlins, Prenzlauer Berg ebenso gefragt wie auch die Altbauwohnungen und Quartiere in Friedrichshain und Charlottenburg.

Industrialisierung zieht Landflucht nach sich – Neues Wohnkonzept von Ebenezer Howard

Ebenezer Howard – dieser Name dürfte den wenigsten Menschen etwas sagen. Den meisten der Teilnehmer der Diskussionsrunde in Stuttgart erging es ähnlich, als sie im Laufe des Seminars von Eric Mozanowski den Namen erstmals hörten – im Zusammenhang mit dem Konzept der Gartenstadt.

Gartenstadt Hellerau bei Dresden mit der Möbelmanufaktur „Deutsche Werkstätten“ - das wirtschaftliche Herz der Siedlung

Mangel an Wohnraum: Gartenstadt Hellerau bei Dresden mit der Möbelmanufaktur „Deutsche Werkstätten“ – das wirtschaftliche Herz der Siedlung

Immobilienexperte Eric Mozanowski erläutert kurz die Idee der Gartenstädte: „Sie geht nämlich auf den Engländer zurück, der um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert vor einem Problem stand: die Verwahrlosung der Städte. Die aufkeimende Industrialisierung hatte England zu der Zeit voll im Griff und schlug auch auf das europäische Festland über. Sie trieb die Menschen vom Land in die Städte, um dort in Fabriken zu arbeiten anstatt auf Höfen. Das führte dazu, dass der Wohnraum knapp wurde und zum Spekulationsobjekt wurde. Es bildeten sich Slums in vielen Stadtteilen.

Verschmelzung vom Stadt- und Landleben

Howard hatte deshalb die Idee, eine Stadt zu planen, bei der eine Genossenschaft Eigentümer der Gebäude und des Baugrunds ist: natürlich mit lebenslangem Mietrecht für die Stadtbewohner. Diese sozialreformerische Idee verband er mit dem Gedanken, die Vorteile von Stadt und Landleben zu verschmelzen.

Die Stadt sollte sternförmig aufgebaut sein, dessen Mittelpunkt gerne auch ein Park oder eine Grünfläche sein konnte. Vom dieser Mitte erstreckten sich die Zufahrtsstraßen und U-Bahn-Linien in die Wohn- und Arbeitsviertel der Stadt. Am äußeren Ende wollte Howard Bauernhöfe ansiedeln, die die Stadtbewohner mit Lebensmitteln versorgen sollten.

Die Idee der Gartenstadt wurde Anfang des 20. Jahrhunderts schnell in die Tat umgesetzt. Nachdem in England die erste nach solchem Vorbild gebaute Stadt entstand, fand sie auch außerhalb der Insel Unterstützer. In Deutschland entstand die erste Gartenstadt in Hellerau bei Dresden, wenngleich sie hier viel stärker mit der Idee des Werkbundes und des Lebens in Einheit mit der Natur verbunden wurde, als das in England der Fall war.

Mobilität ruft Veränderung für die Wohnbedürfnisse in den Fokus

„In Hellerau lässt sich aber nicht nur der Aufstieg der Gartenstadt sondern auch ihr Untergang beobachten. Viele dieser Gartenstädte entstanden in nicht allzu großer Entfernung von Großstädten“, erläutert Eric Mozanowski die Entwicklung. Mit zunehmender Mobilität der Menschen pendelten die Bürger der Gartenstädte zunehmend zur Arbeit in den Großstädten, sodass die Gartenstädte mehr und mehr zu reinen Wohnstädten wurden. Später wurden sie zu Stadtteilen der weiter expandierenden Großstädte. Der Name Ebenezer Howard wird jedoch für immer mit dem Konzept der Gartenstadt verbunden bleiben.

Fazit: Alte und neue Ideen zur Wohnraumschaffung – Urbane Regionen Deutschlands für Bebauung öffnen – Siedlungen verdichten – Lücken schließen – Ausbau von Dächern

Der Stuttgarter Autor fasst die Meinung der Diskussionsrunde zusammen: „Der Städtebau benötigt Reformen, die Baupolitik ist gefordert. Achtsamkeit in der Umsetzung ist gefordert, damit nicht einfach Baublocks empor wachsen, sondern lebenswerte Lebendigkeit entstehen kann, dazu den Blick städtebaulich zu historischen Mustern annähern. Die gewaltigen Herausforderungen bringen langfristig neue Chancen in der Lebensqualität und dem „Ländle“.“

V.i.S.d.P.:

Eric Mozanowski
Der Verfasser ist für den Inhalt verantwortlich

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