Denkmaleigenschaft eines Gebäudes

Oberfläche – Material und Verarbeitung geben den Gebäuden einen starken Charakter und prägen die verschiedenen Regionen Deutschlands

Denkmaleigenschaft eines Gebäudes

Baudenkmal und historische Oberflächen

Straßen- und Ortsbild werden durch bestimmtes Oberflächenmaterial und dessen Verarbeitung von Fassaden und Gebäuden signifikant geprägt: verputztes Mauerwerk, Sichtmauerwerk aus Naturstein oder Ziegel, Fachwerk, Verkleidungen mit Schiefer, Holzschindeln oder Holzschalung. Hier können bei Sanierung, Neubauten oder der „Verschönerung“ massive irreparable Fehler für das gesamte Stadt- oder Ortsbild entstehen. Immobilienexperte Eric Mozanowski diskutiert im Rahmen von Seminar- und Weiterbildungsveranstaltungen mit den Teilnehmern, wie die Denkmalpflege und Bausanierung zum langhaltigen Denkmalschutz Beachtung findet.

Vorrangig ist die städtebauliche Wirkung der Oberflächenart. Regelungen werden einzelne Materialien oder Materialkombination für die Fassadengestaltung bei Umbauten und Neubauten festlegen oder ausschließen. Das bedeutet, wenn festgestellt wird, dass die Wirkung der Fassadenoberflächen von bestimmten Konstruktionen und Verarbeitungstechniken abhängig ist, können auch hierfür Festsetzungen getroffen werden, wie z.B. Putzantrag von Hand, glatte oder raue Putzfläche, geschlämmtes Mauerwerk, verfugtes Sichtmauerwerk, steinmetzmäßig bearbeitete oder bruchraue Oberfläche von Naturstein.

Die historischen Oberflächen

Neben den Konstruktionen zählen die originalen Oberflächen, wie Farbe, Putz, Dachhaut usw., zu den wichtigsten Merkmalen der Denkmäler. Sie überliefern in vielen Fällen aufgrund der originalen Werkspuren die handwerkliche Kunstfertigkeit und die künstlerischen Fähigkeiten der Erbauer. Dabei geht es nicht immer um Kunst oder Schönheit bei einer Oberfläche. Oft besitzen sie eine andere historisch wichtige Information: zum Beispiel eine baugeschichtliche, handwerksgeschichtliche oder volkskundliche. Auch die Alterung der Oberfläche kann als unmittelbare Aussage der Geschichtlichkeit ein wesentliches Kriterium für die Denkmaleigenschaft eines Gebäudes darstellen.

Häufig wird zu rigoros gereinigt oder freigelegt. Durch zu intensives Sandstrahlen können z. B. historische Oberflächen und Werkspuren beschädigt oder sogar vernichtet werden. Chemische Reinigungsvorgänge können technisch schädlich sein. In manchen Fällen kann sogar eine scheinbar harmlose, feuchte Reinigung zu Schäden führen. Die Wahl der richtigen Maßnahme – eine schwierige fachliche Entscheidung – sollte man einem Fachmann überlassen.

Imitationen von Oberflächen „in alter Technik“ sagen nichts über die Fähigkeiten der in der Vergangenheit arbeitenden Handwerker und Künstler aus. Sie können aber gerechtfertigt sein, z. B. um vorhandene, historische Oberflächen zu ergänzen.

Vielfach herrscht das Vorurteil vor, historische Oberflächen seien „grob“ und „rustikal“ gearbeitet. Die Sichtweise spielt hierbei eine wichtige Rolle, denn aus heutiger Sicht mag es grob und rustikal erscheinen, aber in Wirklichkeit haben sich in der Regel Handwerker und Künstler auch in der Vergangenheit bemüht, die Oberflächen zu verfeinern. Daher sind die meisten historischen Oberflächen auch in mehreren Arbeitsgängen geglättet und überfasst. Nur ein erfahrener Fachmann kann Oberflächenbearbeitungen aus historischer Zeit identifizieren und deshalb die richtigen Ratschläge zum Schutz oder zur Konservierung geben. Hierzu sollte die Bereitschaft zur Kommunikation untereinander weiter wachsen und dadurch das Verständnis und der Horizont erweitert werden.

V.i.S.d.P.:

 

Eric Mozanowski

Der Verfasser ist für den Inhalt verantwortlich

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